Einflussfaktoren auf das Wetter - Sonne, Wind & Meeresströme
Unser Wetter wird von vielen Faktoren beeinflusst, von der Sonnenstrahlung über Meeresströmungen bis zur Topografie. Manche wirken global, andere nur lokal. Zusammen erzeugen sie die Vielfalt des Wetters.
Sonnenstrahlung: der Motor des Wetters
Die Sonne ist die Energiequelle für nahezu alle Wettervorgänge. Pro Quadratmeter treffen durchschnittlich 1.361 Watt auf die obere Atmosphäre (Solarkonstante). Durch die Neigung der Erdachse um 23,5° variiert die Einstrahlung mit den Jahreszeiten: Im Sommer trifft das Sonnenlicht steiler auf die Nordhalbkugel und erwärmt sie stärker. Am 21. Juni scheint die Sonne in Hamburg bis zu 17 Stunden, am 21. Dezember nur etwa 7 Stunden.
Luftmassen und Fronten
Unterschiedlich temperierte Luftmassen treffen aufeinander und bilden Fronten, die Grenzflächen, an denen sich das Wetter abspielt. An einer Warmfront gleitet warme Luft über kalte: Es entstehen ausgedehnte Schichtwolken und langanhaltender Regen. An einer Kaltfront schiebt sich kalte Luft keilartig unter warme. Die Folge sind kurze, heftige Schauer und Gewitter. Zwischen beiden Fronten liegt oft ein Warmsektor mit ruhigem, mildem Wetter.
Meeresströmungen
Der Golfstrom transportiert warmes Wasser aus dem Golf von Mexiko nach Nordeuropa. Ohne ihn wäre es in Deutschland im Winter 3-5 °C kälter. London wäre deutlich kälter. Die Oberflächentemperatur der Meere beeinflusst auch Verdunstung und damit Niederschlag: Warme Meere liefern mehr Feuchtigkeit und mehr Energie für Stürme. El Niño und La Niña, also periodische Schwankungen der Pazifik-Temperaturen, beeinflussen das Wetter weltweit bis nach Europa.
Topografie und Geländeform
Gebirge beeinflussen das Wetter erheblich. Sie zwingen Luftmassen zum Aufsteigen (Staueffekt): Die Luft kühlt ab, Wolken bilden sich, und auf der windzugewandten Seite fällt verstärkt Niederschlag. Auf der Leeseite sinkt die Luft ab, erwärmt sich und trocknet aus. Dieses Phänomen heißt Föhn. In den Alpen fallen über 2.000 mm Niederschlag pro Jahr, im Regenschatten des Harzes nur 450 mm. Auch Städte beeinflussen das Wetter: Der „Wärmeinsel-Effekt" macht Innenstädte 2-5 °C wärmer als das Umland.
Großwetterlagen
Für das Wetter in Mitteleuropa sind bestimmte wiederkehrende Muster entscheidend. Das Azorenhoch bringt im Sommer warmes, trockenes Wetter. Atlantische Tiefdruckgebiete (Westlage) bringen milde, feuchte Luft. Ostlagen leiten kalte, trockene Kontinentalluft nach Deutschland, was im Winter bei Ostwind empfindlich kalt werden kann. Die Verteilung dieser Großwetterlagen über das Jahr bestimmt, ob ein Sommer trocken oder verregnet ausfällt.
Häufige Fragen
Warum regnet es im Westen Deutschlands mehr als im Osten?
Die vorherrschenden Westwinde bringen feuchte Atlantikluft nach Deutschland. Am ersten Gebirge (z.B. Sauerland, Eifel) regnet ein großer Teil ab. Je weiter östlich, desto weniger Feuchtigkeit ist in der Luft. Berlin bekommt deshalb nur etwa 570 mm Niederschlag pro Jahr, Köln über 800 mm.
Was hat der Golfstrom mit dem Wetter in Deutschland zu tun?
Der Golfstrom transportiert warmes Wasser aus der Karibik nach Nordwesteuropa. Dadurch sind die Winter in Deutschland 3-5 °C milder als auf vergleichbaren Breitengraden in Kanada. Ohne den Golfstrom wäre Hamburg deutlich kälter.
Was ist der Föhn-Effekt?
Wenn feuchte Luft an einem Gebirge aufsteigt, kühlt sie ab und es regnet. Auf der anderen Seite sinkt die nun trockene Luft ab und erwärmt sich dabei um etwa 1 °C pro 100 Meter. Das Ergebnis: Am Alpenrand kann es bei Föhn im Winter plötzlich 15 °C warm werden.
Was ist El Niño und wie beeinflusst er Europa?
El Niño ist eine periodische Erwärmung des Pazifiks vor der Küste Südamerikas, die alle 2–7 Jahre auftritt. Obwohl das Phänomen im Pazifik stattfindet, beeinflusst es über veränderte Jetstream-Muster auch das europäische Wetter. In El-Niño-Jahren fallen die Winter in Nordeuropa tendenziell milder aus, während Südeuropa mehr Niederschlag bekommt.
Was ist eine Inversionswetterlage?
Normalerweise wird die Luft mit zunehmender Höhe kälter. Bei einer Inversion ist es umgekehrt: Eine warme Luftschicht liegt über kalter Bodenluft und wirkt wie ein Deckel. Die Folge ist Nebel, Smog und Windstille, besonders häufig im Herbst und Winter in Tälern und Beckenlagen wie Stuttgart oder München.
Warum ist es in Städten wärmer als auf dem Land?
Der „städtische Wärmeinsel-Effekt" entsteht durch Asphalt und Beton, die Wärme speichern, weniger Verdunstung durch fehlende Vegetation, und Abwärme aus Gebäuden und Verkehr. In Großstädten wie Berlin oder Frankfurt kann die Nachttemperatur bis zu 5 °C höher liegen als im Umland. Bei Hitzewellen wird das zunehmend zum Problem.
Was ist der Jetstream?
Der Jetstream ist ein Starkwindband in 8–12 km Höhe, das mit 150–300 km/h von West nach Ost weht. Er entsteht durch den Temperaturunterschied zwischen Tropen und Polarregion. Die Position des Jetstreams bestimmt, ob Mitteleuropa warme Subtropenluft oder kalte Polarluft bekommt. Mäandert der Jetstream stark, können Wetterlagen wochenlang anhalten (Omega-Lagen).
Warum gibt es Jahreszeiten?
Die Erdachse ist um 23,5° geneigt. Wenn die Nordhalbkugel zur Sonne zeigt (Juni), treffen die Strahlen steiler auf und die Tage sind länger. Ein halbes Jahr später ist die Südhalbkugel zur Sonne geneigt. Nicht die Entfernung zur Sonne (die variiert nur um 3,3 %) bestimmt die Jahreszeit, sondern der Einfallswinkel des Lichts.
Beeinflusst der Mond das Wetter?
Entgegen populärer Bauernregeln hat der Mond keinen nachweisbaren Einfluss auf das Wetter. Großangelegte statistische Analysen, unter anderem des Deutschen Wetterdienstes, haben keinen Zusammenhang zwischen Mondphasen und Niederschlag, Temperatur oder Bewölkung gefunden. Die Gezeitenkraft des Mondes ist zu schwach, um atmosphärische Prozesse messbar zu beeinflussen.
Was ist das Azorenhoch?
Das Azorenhoch ist ein semi-permanentes Hochdruckgebiet über dem Nordatlantik nahe der Azoren. Im Sommer dehnt es sich nach Norden aus und bringt Deutschland warmes, trockenes Wetter. Im Winter zieht es sich zurück und atlantische Tiefdruckgebiete bestimmen unser Wetter. Die Stärke und Position des Azorenhochs ist einer der wichtigsten Faktoren für das mitteleuropäische Sommerwetter.